Tischtennis
Jeder Rollstuhlfahrer kommt während seiner Rehabilitationszeit mit Tischtennis in Kontakt und macht wichtige Erfahrungen betreffend Gleichgewicht, Stabilität und Koordination. Das heißt aber keineswegs, dass Tischtennis als Bewegungstherapie abgestempelt werden kann. Tischtennis verlangt hohe technische und taktische Fähigkeiten vom Spieler. Es ist die Kunst, mit ausgefeilter Technik den Ball auf Höchstgeschwindigkeit zu bringen und durch Cleverness und ein klein bisschen ? Fiesheit? die gewünschten Punkte zu erreichen. Tischtennis ist eine Sportart, die für verschiedene Zielgruppen geeignet ist und bis hin zum Spitzenniveau praktiziert wird. Die Regeln für Rollstuhlfahrer entsprechen denen des herkömmlichen Tischtennis:
es geht darum, 11 Punkte (auf 2 Punkte Differenz) zu erreichen. Technische Feinheit und clevere Spielweise sind gefragt. Einige Regeländerungen gibt es beim Aufschlag. Der Ball muss die Grundlinie passieren und muss aus der flachen Hand gespielt werden, wobei die Hand auf Tischkantenhöhe gehalten werden muss. Ist die Balance eingeschränkt, so darf mit der freien Hand die Tischkante berührt werden, um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Der Einsatz der Bremsen wird von den Spielern unterschiedlich gehandhabt und unterliegt keinen Regeln. Für Spieler mit eingeschränkter Handfunktion gibt es verschiedene Griffhilfen, um den Schläger zu halten. Um die Chancengleichheit zu wahren gibt es im Rollstuhl-Tischtennis 5 Kategorien, 2 Tetraklassen und 3 Paraklassen.
Bei den beiden Tetraklassen 1 und 2 ist die Ellbogen- und Handstreckung ausschlaggebend für die Klasseneinteilung,Rumpfbewegungen können bei beiden Klassen nur mit Unterstützung gemacht werden. Die 3 Paraklassen zeichnen sich durch Unterschiede der Rumpfmuskulatur und -stabilität aus. Während in der Klasse 3 alle Bewegungen mit der freien Hand abgesichert werden und Rumpfrotationen nicht möglich sind, ist die Reichweite in Klasse 4 und 5 größer, da Stabilität und Rotation wenig bis gar nicht betroffen sind.
Klassifizierung
Anders als im Nicht-Behinderten-Sport werden die Athleten im Behinderten-Sport in unterschiedliche Behinderungsklassen eingeteilt. Ziel dieser Klassifizierung ist die Berücksichtigung behinderungsbedingter Einschränkungen der sportlichen Leistungsfähigkeit. Rollstuhlsportler werden beim Tischtennis in 5 Klassen unterteilt.
Klasse 1:
Die Spieler dieser Klasse haben eine stark eingeschränkte Funktion der Arme; Handgelenks- und Ellenbogen-Funktionen sind stark eingeschränkt. Der Schläger muß an der Schlägerhand angebunden werden, die freie Hand wird zur Stabilisierung des Körpers verwendet.
Klasse 2:
Zum Unterschied zu Spielern der Klasse 1 ist die Ellenbogenstreckung ausreichend und die Handbewegungen sind gut koordiniert, aber ohne normale Kraft. Vielfach müssen auch diese Spieler den Schläger an der Spielhand befestigen.
Klasse 3:
Die Spieler dieser Klasse haben kaum Einschränkungen im Schlagarm. Die Oberkörperstabilität ist jedoch stark eingeschränkt, sodaß die freie Hand zum Stützen, Halten oder Drücken am Rollstuhl oder Oberschenkel verwendet werden muß.
Klasse 4:
Die Spieler dieser Behinderungsklasse können Arme und Rumpf normal bewegen. Rumpfbewegungen zur Verbesserung der Reichweite sind nur möglich, wenn der freie Arm stützt oder hält.
Klasse 5:
Die Spieler dieser Klasse können den Rumpf ohne Hilfe des freien Arms vorwärts und rückwärts bewegen. Deutliche Stützbewegungen mit den Oberschenkeln oder sogar den Füßen sind möglich.
Regelkunde
Beim Rollstuhl-Tischtennis gelten im Wesentlichen die Regel der ITTF (International Table-Tennis Foundation).
Für Rollstuhlfahrer gibt es einige Abweichungen vom allgemeinen Regelwerk:
Serviceregel:
Sitzt der Rückschläger im Rollstuhl, so muß der Ball - sofern er nicht vorher vom Rückschläger berührt wird - die hintere Grundlinie des Tisches passieren. Verläßt der Ball, nachdem er mindestens einmal auf der Seite des Rückschlägers aufgesprungen ist, den Tisch
- über eine der Seitenlinien, oder
- bleibt er auf dem Tisch liegen, oder
- springt er zurück in Richtung des Aufschlägers,
so muß das Service wiederholt werden.
Diese Regel ist seit 2006 auch dann anzuwenden, wenn ein Rollstuhlfahrer gegen einen Nichtbehinderten spielt!
Doppelregel:
Bilden zwei Rollstuhlfahrer ein gemeinsames Doppel, so kann in einem Ballwechsel (ähnlich wie beim Tennisdoppel) immer jener Spieler den Ball annehmen, der näher sitzt. Die Spieler müssen allerdings entsprechend der allgemein gültigen Serviceregeln nach jedem 4. Ballwechsel die Seite tauschen.
Diese Regel ist seit 2006 immer dann anzuwenden, wenn zwei Rollstuhlfahrer eine Doppelpaarung bilden - auch dann, wenn die andere Doppelpaarung aus zwei Nichtbehinderten besteht!
Bildet ein Rollstuhlfahrer ein gemeinsames Doppel mit einem Nicht-Rollstuhlfahrer, so gilt diese Ausnahmeregelung nicht. In diesem Fall muß der Ball abwechselnd angenommen werden.
Rollitraining
Kinder und Jugendrolligruppe in Amstetten.
Seit April 2005 trifft sich 2 mal im Monat ein junger bunter, aufgeweckter Haufen mit vielen Rädern unten dran zum Rollitraining in Amstetten. Dabei geht’s um Spiel, Spaß und Bewegung. Um Geschicklichkeit, Fahrtechnik und Sport. Um Gemeinschaft, Motivation und Erfahrungsaustausch. Schwerpunkte sind: Sportspiele, Fahrtechniktraining, , ausprobieren von verschiedenen Sportarten wie Handbike, Boccia, Badminton, Basketball, Hockey und vieles andere mehr. Außerdem werden Monoskikurse, Mobilitätstrainingswochen und ähnliche Veranstaltungen des ÖBSV vermittelt.
Geleitet wird die Gruppe von Günter Gritsch, der selbst Rollstuhlfahrer ist und viele Jahre im Leistungssport (Leichtathletik, Handbike) unterwegs war, mit zwei Helferinnen (Vagac Petra und Kitzler Elisabeth) die die Kinder bzw. Jugentlichen seit vielen Jahren im Ambulatorium Amstetten betreut haben und daraus diese Idee für diese Gruppe enstanden ist. Für die Kids bedeutet das Rollitraining nicht nur Spaß an der Bewegung, sondern auch viele Lernerfahrungen im Umgang mit dem Rollstuhl und damit verbunden natürlich mehr Selbstbewusstsein und mehr Selbständigkeit.
Im Rollitraining bieten wir auch Beratung und Erfahrungsaustausch zur Rollstuhlversorgung selbst an, und laden dazu immer wieder
Fachleute aus Sanitätshäusern ein.
Sehr gute Unterstützung erhalten wir hier auch von der
Firma Gattringer in Amstetten seineszeichens Bandagist, mit dem sich eine gute Zusammenarbeit auf dem Gebiet Rollstuhlerstversorgung bzw. Umbau von vorhandenen Rollstühlen entwickelt hat.
Auch für die Eltern bietet die Zeit während des Rollitrainings, eine gute Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen.
Sitzball
Sitzball ist ein Mannschaftsspiel und wurde Anfang der 50ger Jahre eigens für beinamputierte Sportler konzipiert. Diese Sportart ist, vereinfacht ausgedrückt, eine Mischung zwischen Volleyball und Fussball. Beim Spielgeschehen wird die Richtigkeit der Bezeichnung "Sitzball" in Frage gestellt. Die jeweils 5 Akteure der beiden auf dem Spielfeld befindlichen Mannschaften sind ständig in Bewegung, ändern andauernd rutschend ihre Position und versuchen geschmetterte Balle unter Kontrolle zu bringen oder spielen sich mit antrainierter Technik den Ball zu. Vom "Sitzen" kann so gut wie keine Rede sein. Sitzball ist ein leistungsbezogener Sport der Nervenstärke und viel Kondition voraussetzt.
Spielgedanke:
Auf einem Spielfeld, das in der Mitte durch eine Linie und in der Höhe durch ein 2farbiges Band in 2 Felder geteilt ist, sitzen sich 2 Mannschaften von je 5 Spielern/Innen einander gegenüber. Jede Mannschaft hat die Aufgabe, den ihr über das Band zugeschlagenen Ball mit der offenen Hand wieder zurückzuspielen und zwar so lange bis ein Fehler den Spielgang
beendet. Dabei ist es das Ziel beider Mannschaften, den Ball so über das Band zu spielen, dass dem Gegner der Rückschlag nicht gelingt oder möglichst erschwert wird. Jeder Fehler der einen Mannschaft wird der anderen als Vorteil angerechnet. Gewonnen hat die Mannschaft, die in der Spielzeit die meisten Treffer erzielt hat.
Handbikesport
Handbike fahren, das ist wie Fahrrad fahren mit den Händen.
Man hat Kurbeln und eine Gangschaltung, meist mit 27 Gängen, oft aber auch eine Nabenschaltung mit 7 oder 14 Gängen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Vorspannbike und Rennbike. Das Vorspannbike wird mit wenigen Handgriffen an einem normalen Rollstuhl montiert. Man kann es gut für Breitensport oder Radtouren verwenden, wo man mit dem Rollstuhl nach Abnahme des Bikes normal mobil ist. Für den professionellen Sport verwendet man meist ein Rennbike, also ein eigenes Gerät.
Man sitzt etwa 10 cm über dem Boden und hat dadurch bessere Aerodynamik und höhere Stabilität in den Kurven. Je nach Trainingsstand und Behinderungsgrad werden 40 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit und Höchstgeschwindigkeiten über 50 km/h im Flachen erreicht.
Geeignet für Rollstuhlfahrer, mit speziellen Griffen auch für die meisten Tetraplegiker.
Mit dem Handbike von Passau nach Linz-Urfahr
Teilnehmer:
Rollstuhlfahrer:
Desch Franz, Garstenauer Franz, Gelbmann Walter, Heigl Franz, Löbersorg Hubsi u. Loibl Peter
Radfahrer:
Desch Andrea, Heigl Silvia, Eder Ossi, Helm Erich
Begleitfahrzeug: Rollstuhlfahrer Aichinger Sepp
Am frühen Morgen des 21. Juli 2003 trafen wir uns um 6.00 Uhr in Hausmening bei unserem Vereinswirt, dem „Chinesen“. Das Verladen der Handbikes auf dem PKW Anhänger des Begleitfahrzeuges übernahmen unsere Radfahrer und so ging es bereits um 6.30 Uhr los, in Richtung Passau, unserem Ausgangspunkt.
E
der Ossi kutschierte uns mit einem Leihbus (Neunsitzer) sicher an unseren Startort, wo wir nach ca. 2 Stunden am Bahnhofsparkplatz ankamen. Der Bus bewährte sich hervorragend, weil auch genügend Platz für die vier Fahrräder vorhanden war. Um 9.00 Uhr war dann jeder soweit, dass wir unsere Tour beginnen konnten. Das Wetter war hochsommerlich schön und es wurden Temperaturen von über 30° vorhergesagt. Helm Erich übernahm die Rückfahrt mit dem Bus nach Linz und fuhr uns dann mit dem Rad entgegen.
Wir fuhren in Passau kurz am rechten Donauufer entlang, überquerten dann (noch in Passau) die Donau und radelten auf der nördlichen Seite bis Niederranna. Hier wechselten wir an das südliche Ufer und hatten damit unser erstes Etappenstück nach zwei Stunden mit ca. 33 km geschafft.
Im kleinen Ort Wesenufer, im Gastgarten der Schiffstaverne erwartete uns schon Aichinger Sepp mit dem Begleitfahrzeug, aber es machte noch keiner schlapp. Nach den verschiedensten kulinarischen Stärkungen (Mühlviertler Toast, gebackene Champions, Semmelknödel mit Knoblauch!, etc.) ging es dann weiter.
Wir entschieden uns für die Weiterfahrt am südlichen Donauufer, wo der Radweg ein kurzes Teilstück auf der Landesstrasse verlief. In diesem Bereich waren einige kleinere Steigungen zu bewältigen, was mit vollem Magen gar nicht so einfach war. In Schlögen war jedoch wieder alles vorbei und wir radelten auf einem der schönsten Stücke des Donauradweges Richtung zweites Etappenziel, Aschach.
Auf halbem Wege kam uns Helm Erich aus Richtung Linz entgegen, welcher zu diesem Zeitpunkt ca. 50 km in den Beinen hatte. Für uns war damit klar, dass wir schon die Hälfte geschafft haben. Gegen 14.00 Uhr und nach fast 70 km erreichten wir Aschach.
Bei fast unmenschlichen Temperaturen um die 35° hatte Sepp für uns bereits ein schattiges Plätzchen gefunden, wo wir uns die nötige Energie für den letzten Streckenabschnitt holten. Gut gekühlte Getränke, Fitnessbecher, Eiskaffe und andere Leckereien eigneten sich hervorragend dazu. Nachdem jeder der Teilnehmer für die letzte Etappe gerüstet war ging es in überraschend hohem Tempo weiter Richtung Linz. Jede Möglichkeit des Windschattenfahrens wurde optimal ausgenutzt,
wobei sich unsere Radfahrer als hervorragende Zugpferde entpuppten.
In Wilhering angekommen wechselten wir mit der Fähre an das nördliche Ufer der Donau und fuhren die letzten Kilometer entlang der B127 nach Linz.
In Urfahr wartete Sepp schon wieder auf uns und auch der Bus war bereits in der Nähe. Aus Westen näherte sich früher als vorhergesagt die Schlechtwetterfront. Als wir wieder alles verfrachtet hatten legte der Sturm auch schon so richtig los und wir waren froh, dass wir mit dem Wetter so großes Glück hatten. Die aufkommenden Blitze beobachteten wir bereits aus dem Bus. Ossi brachte uns wieder heil nach Hausmening, Beim Chinesen ließen wir diesen wunderschönen Tag in gemütlicher Runde hundsmüde aber glücklich ausklingen.
Ein besonderes Dankeschön an:
Eder Ossi für die Fotos, Organisation der Tour und die Lenkung des Busses!
Helm Erich für die Überstellung des Busses nach Linz!
Aichinger Sepp für den Transport der Handbikes und Begleitung der Akteure!
Desch Franz für die Vermittlung des PKW-Anhängers!
Wintersport
Viele Menschen wollen - oft auch trotz massiver Einschränkungen der Beweglichkeit - nicht auf den Schisport verzichten. Schon vor dem Ersten Weltkrieg haben Pioniere des Behindertensports mit teilweise abenteuerlichen Konstruktionen verschneite Hänge bezwungen. Eine massive Entwicklung setzte nach dem Zweiten Weltkrieg ein: Oberschenkelamputierte versuchten es mit drei Schiern und entwickelten die sogenannten Schikrücken. Unter-schenkelamputierte, die Probleme mit instabilen Prothesen hatten, verwendeten Keile und entwickelten Kabelzüge, um das Kniegelenk in der richtigen Stellung zu halten. Erst nach dem Krieg kam es zu einem systematischen Aufbau des Behindertenschilaufes. Von da an schritt die Entwicklung und die Technik rasch voran. Mit kaum vorstellbarer Energie und mit der Unterstützung erfahrener Begleitschifahrer gelang es, blinde und sehbehinderte Schiläufer sicher die Hänge abfahren zu lassen und sogar für den Rennlauf zu trainieren. Seit den siebziger Jahren versuchen auch Rollstuhlfahrer (Paraplegiker und beidseitig Amputierte) die Pisten zurück zu erobern. Zunächst versuchten sie es mit Schischlitten, was sich aber als zu gefährlich herausstellte. Eine revolutionäre Erneuerung war die Entwicklung des Monoschi - eine Sitzschale, die über ein Gelenk auf einem normalen Schi mit Bindung fixiert ist. Dazu verwenden die Sportler zwei kurze Schikrücken. Mittels Gewichtsverlagerung meistern viele von ihnen die schwierigsten Pisten. Sie fahren elegant und gekonnt die Hänge herunter oder bestreiten sogar ein hochkarätiges Slalomrennen.





